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Letzte Aktualisierung: 27.08.2010

 

«Der Bund», 18. August 2008, Simon Wälti:

Ortsplanung als Zankapfel

Verhärtete Positionen in Bolligen – Pro-Plakate wurden zerschnitten, der Gemeinderat wirft den Gegnern Angstmacherei vor

Die Ortsplanung in Bolligen steht auf der Kippe. Gegen die Einzonung von Bauland gibt es massiven Widerstand. Mit Flugblättern rufen die Gegner zu einem Nein am 26. August auf. Plakate eines Pro-Komitees wurden zerstört. Der Gemeinderat spricht von Desinformation.

In Bolligen gehen im Vorfeld der Gemeindeversammlung über die Ortsplanungsrevision die Wogen hoch. Die Gegner der geplanten Einzonungen von gesamthaft rund 7,3 Hektaren haben sich formiert und machen mit Flugblättern Stimmung für ein Nein am 26. August. Ein Wachstum der Einwohnerzahl auf 6500 Personen sei «weder notwendig noch sinnvoll», heisst es darin. Die Einzonungen seien überflüssig. Ein «Komitee Lebensqualität Bolligen» schreibt von «vorsorglicher Panikmache», weil der Gemeinderat von einem Bevölkerungsschwund der Gemeinde ausgehe, falls kein zusätzlicher Wohnraum geschaffen werde. Die Verhinderung von leerem Schulraum sei den Verlust des schönsten Naherholungsgebietes nicht wert. Zudem sei die Verkehrserschliessung ungelöst. Auf der Homepage www.bolligen.be sind Fotomontagen von dichten Überbauungen ohne Grünfläche zwischen den Häusern zu sehen. Im Gebiet Rörswil blinken die Häuser in oranger Alarmfarbe auf.

Geht es um Eigeninteressen?

Gemeinderat Jon Duri Tratschin (sp), zuständig für das Ressort Planung, spricht von Desinformation. «Diese Animationen sind völlig übertrieben und irreführend.» Es handle sich um «Angstmacherei, um rein persönliche Interessen durchzusetzen». Tratschin verweist darauf, dass die Ortsplanung breit abgestützt sei. «Sehr viele Personen und Gruppierungen waren einbezogen.» «Es wird mit Schreckbildern operiert, die nicht der Realität entsprechen», sagt auch Gemeindepräsidentin Margret Kiener Nellen (sp). Es sei zwar nachvollziehbar, dass sich Anwohner gegen Einzonungen und Überbauungen wehrten; es sei aber weniger nachvollziehbar, dass Personen, die selber gerne ihr Land eingezont hätten, andere Einzonungen nun bekämpften. Kiener Nellen spricht von «Eigeninteressen», ein Wort, das bei den Gegnern der Einzonungen gar nicht gerne gehört wird.

Werden alle Einzonungen befürwortet, können in den nächsten 15 Jahren rund 300 Wohneinheiten erstellt werden. Die Gegner der Ortsplanungsrevision waren nicht bereit, zum Thema Stellung zu nehmen – auch nicht mündlich.

Neues Pro-Komitee formiert

Die massive Gegenkampagne hat unterdessen auch Befürworter auf den Plan gerufen. Diese haben sich in einem Komitee «Pro Bolligen» organisiert und werden mit Plakaten und Flugblättern aktiv. «Das Hauptärgernis für uns ist, dass die Gegner nicht sachlich sind», sagt Martin Knapp, einer der Initianten des Komitees. «Wir wollen über die politischen Grenzen hinweg eine positive Ja-Kampagne führen.» Die Gegnerschaft scheint nicht sehr zimperlich zu sein: In der Nacht auf gestern Sonntag wurden die beiden grossen Plakate eingangs Dorf von Vandalen zerstört. Knapp hat sie wieder notdürftig zusammengeflickt.

Parteien (fast) alle für ein Ja

Die Parteien in Bolligen sprechen sich alle für die Ortsplanungsrevision aus, mit einer Ausnahme: Die SVP hat keine Parole zum gesamten Paket beschlossen. «Wir haben eine grosse Bandbreite von Meinungen in unserer Partei», sagt SVP-Präsidentin Marianne Zürcher dazu. Die Partei fasste Parolen zu den einzelnen Einzonungen. Zu Rörswil, wo gegen 200 Wohnungen erbaut werden sollen, sagt die SVP nur dann Ja, wenn die Verkehrserschliessung geändert wird. Konkret fordert die Partei eine Brücke über die RBS-Linie und die Worble. «Es ist zwar die teuerste Variante, aber sie ist finanzierbar», sagt Zürcher.

Brücke kostet 5 Millionen

Laut dem Gemeinderat ist der zu erwartende Mehrverkehr auf der Hühnerbühlstrasse tragbar. Der Gemeinderat lehnte eine Brücke ab, weil diese zu teuer sei. Die Kosten würden 5 Millionen Franken betragen. Gemäss Botschaft des Gemeinderates kann Bolligen durch die Einzonungen 6,4 Millionen Franken als Mehrwert abschöpfen. Die Erschliessung (ohne Brücke) kommt auf 1,45 Millionen Franken zu stehen. Mit einer Brücke würde also der ganze Mehrwert aufgebraucht.

Die SVP lehnt zudem die Einzonung Hühnerbühl Ost «ganz klar» ab. Auch bei der Einzonung Hubelgut möchte die SVP die Erschliessung ändern. Dort solle die Zufahrt über die Hubelgasse und nicht wie vorgesehen über ein Privatsträsschen erfolgen, sagt Zürcher.

«Gut für das Portemonnaie»

Die Ortsplanungsrevision werde ein massvolles Wachstum der Bevölkerung ermöglichen, schreibt dagegen die SP in der letzten Ausgabe der Lokalzeitung «Bantiger Post». Abklärungen hätten ergeben, dass der Verkehr mit geeigneten Massnahmen bewältigt werden könne. Die Partei befürwortet die Einzonungen, allerdings wird morgen noch eine Mitgliederversammlung zum Thema durchgeführt.

Die Erhöhung der Einwohnerzahl auf 6500 Personen sei «verkraftbar und tut dem Portemonnaie des Steuerzahlers gut», hält Bolligen Parteilos fest. «Es ist schlicht und einfach sinnvoller, Bolligen bescheiden weiter auszubauen, als die Zersiedelung im Emmental zu fördern.» Die FDP bezeichnet die Ortsplanung als «ausgereift, sinnvoll und ausgewogen». Für eine gesunde Entwicklung sei es wichtig, dass Neuzuzüger attraktiven Wohnraum fänden. Auch die CVP Bolligen und Ittigen stellt sich hinter die Ortsplanungsrevision.

Die Gemeindeversammlung dürfte sehr gut besucht sein. Als Versammlungsort wurde die Schulanlage Eisengasse gewählt, wo in Turnhalle und Aula bis zu 900 Personen Platz finden können.


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